Tanezumab: Neue Substanz könnte Arthrose- und Rückenschmerzen lindern

Die neuartige Substanz Tanezumab könnte sich als neues Medikament zur Behandlung von Arthrose- und Rückenschmerzen etablieren, bei denen herkömmliche Analgetika nicht ausreichend wirken. Welche Patientengruppen davon optimal und ohne ernsthafte Nebenwirkungen profitieren können, muss noch weiter erforscht werden, berichten Expertinnen und Experten anlässlich der 20. Österreichischen Schmerzwochen.

Wien/Linz, 11. Februar 2021 – Tanezumab könnte künftig eine Behandlungsoption bei Schmerzen infolge von Hüft- oder Kniearthrosen sein. Auch für Patientinnen und Patienten mit Schmerzen im unteren Rücken („Kreuzschmerzen“) könnte der Wirkstoff infrage kommen, wenn diese nicht ausreichend auf nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Opioide ansprechen. „Der Wirkmechanismus von Tanezumab ist gänzlich anders als bei bisher verfügbaren Schmerzmitteln“, erklärt ÖSG-Vorstandsmitglied Univ.-Prof. Dr. Josef Donnerer (Institut für Pharmakologie, Johannes Kepler Universität Linz) anlässlich der 20. Österreichischen Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG). Die Fachgesellschaft informiert seit nunmehr zwei Jahrzehnten im Rahmen ihrer jährlichen Schmerzwochen über die neuesten Entwicklungen in der Schmerzmedizin.

Nach einer Verletzung, bei Entzündungen oder chronischen Schmerzen erhöht sich das Level des Nervenwachstumsfaktors (NFG). Tanezumab bindet als monoklonaler Antikörper an den NFG und hemmt seine Aktion. Es unterbricht somit die Schmerzleitung und verhindert, dass Schmerzsignale die Wirbelsäule oder das Gehirn erreichen.

Rückenschmerzen: Studie belegt deutliche Reduktion der Schmerzintensität

In einer Phase-III-Studie (Markman J D et al) erhielten 1.832 Rückenschmerzpatientinnen und -patienten, bei denen klassische Schmerzmedikamente nicht ausreichend wirkten, Tanezumab (5 oder 10 mg), Tramadol oder Placebo. Tanezumab (10 mg) senkte die Schmerzintensität im Vergleich zu Placebo signifikant. Auch ging bei der 10-mg-Dosierung des NGF-Antikörpers die Schmerzintensität um mehr als 50 Prozent zurück und die Funktionsfähigkeit der Patientinnen und Patienten verbesserte sich. In der 5-mg-Dosierung zeigte Tanezumab dagegen keinen signifikanten Effekt im Vergleich zu Placebo.

Unerwünschten Wirkungen an Gelenken wie eine rasch voranschreitende Arthrose, Osteonekrose oder Brüche traten unter Tanezumab 10 mg bei 2,6 Prozent, unter Tanezumab 5 mg bei 1,0 Prozent, unter Tramadol bei 0,2 Prozent und unter Placebo bei keinem der Patienten auf. Sieben Patienten (1,4 Prozent) der 10mg-Tanezumab-Gruppe benötigten einen Gelenkersatz.

„Die Daten der neuen Studie zur Schmerzbehandlung bei Rückenschmerzen sind vielversprechend. Es gibt ausreichend Studien zu Tanezumab, die zeigen, dass das Medikament die Schmerzen von Patientinnen und Patienten mit Hüft- oder Kniearthrose lindern kann. Für eine sichere Anwendung muss noch weiter erforscht werden, welchen Patientengruppen der Wirkstoff optimale Schmerzlinderung ohne Gefahr für ernsthafte Nebenwirkungen bringen kann und wie er dafür dosiert sein muss“, sagt Prof. Donnerer. Die Substanz befindet sich im Stadium der klinischen Erprobung und ist noch nicht zugelassen.

Quellen:

Markman J D, Bolash R B, McAlindon T E et al: Tanezumab for chronic low back pain: a randomized, double-blind, placebo- and active-controlled, phase 3 study of efficacy and safety. Pain. 2020 Sep 1;161(9):2068-2078.

Mit freundlicher Unterstützung von

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