Wien

Rückenmark-Hochfrequenzstimulation mit 10.000 Hertz: Neue Studien zeigen Wirksamkeit bei chronischen Schmerzen

Pressemitteilung zu den 19. Österreichischen Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft

Neue Studien belegen die Wirksamkeit der Hochfrequenzstimulation mit 10.000 Hertz bei Schmerzen zum Beispiel des Rückens und der Beine. Die Therapie lindert chronische Schmerzen und senkt die zur Schmerzreduktion erforderlichen Opioidmenge.

Wien, 11. Februar 2020 – Das Verfahren der elektrischen Rückenmarkstimulation, das seit rund 40 Jahren erfolgreich gegen chronische Schmerzen u. a. des Rückens oder der Beine eingesetzt wird, wurde in den vergangenen Jahren laufend verbessert. Kleine Elektroden, die in den Wirbelkanal implantiert werden, geben nun Stromimpulse mit einer Frequenz von 10.000 Hertz an das Rückenmark ab. Dadurch lassen sich chronische Schmerzen ohne störende Nebenwirkungen reduzieren. Die noch junge Behandlungsmethode etabliert sich in Österreich zunehmend. „Drei aktuelle Studien zeigen erneut, dass die Hochfrequenz-Stimulation Patienten mit chronischen Schmerzen helfen kann“, berichtet ÖSG-Generalsekretär Prim. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar (Leiter der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Klinikum Klagenfurt und LKH Wolfsberg; Lehrstuhl für Palliativmedizin an der Sigmund Freud Universität) anlässlich der 19. ÖSG-Schmerzwochen. „Man darf zwar nicht erwarten, dass mit der neuen Methode starke chronische Schmerzen völlig verschwinden, aber eine Schmerzreduktion von bis zu 50 Prozent ist bereits ein guter Erfolg und verbessert die Lebensqualität erheblich.“

Beobachtungsstudie mit 1.660 chronischen Schmerzpatienten

Eine große Beobachtungsstudie untersuchte die Wirksamkeit der Hochfrequenz-Rückenmarks-Stimulation mit 10.000 Hertz bei 1.660 Patienten, die an chronischen Schmerzen an Rumpf oder Gliedmaßen litten. Dabei wurde erhoben, wie sich die Therapie drei, sechs und zwölf Monate nach der Behandlung auf die Schmerzlinderung auswirkte. Auch Änderungen bei Funktion, Schlaf, Lebensqualität und Medikamentengebrauch wurden evaluiert. „Die Resultate sprechen für diese Therapie: Mindestens 70 Prozent der Patienten berichteten nach zwölf Monaten, dass die Therapie ihre Schmerzen reduziert habe“, so Prof. Likar. Ein Großteil (72,3 Prozent) der Patienten gaben zudem an, dass sich ihre Funktion verbessert habe, sie besser schliefen (68 Prozent) und ihre Lebensqualität gestiegen sei (90,3 Prozent). Rund ein Drittel (32 Prozent) der Patienten musste infolge der Hochfrequenz-Stimulation weniger Schmerzmittel einnehmen. „Die Ergebnisse dieser Studie stimmen mit denen zuvor publizierter randomisierter Studien überein. Das zeigt, dass die Hochfrequenzstimulation ein wirksames Mittel zur Behandlung von chronischen Rücken- und Beinschmerzen ist“, fasst Prof. Likar zusammen.

Chronische Schmerzpatienten brauchen mit Hochfrequenz-Therapie weniger Opioide

Eine weitere Arbeit analysierte die Daten von zwei großen prospektiven Studien zur Hochfrequenzstimulation mit 10.000 Hertz bei Patienten mit chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich oder in den Beinen. Das Ergebnis: Mussten vor der Hochfrequenzstimulation noch fast 40 Prozent der Patienten Opioide einnehmen, die mehr als 90 Morphinäquivalenz-Einheiten (MME) pro Tag entsprachen, so waren es zwölf Monate nach der Behandlung nur noch 23 Prozent. Der Gruppe, die ursprünglich mehr als 90 MME pro Tag brauchte, konnte durch die Hochfrequenztherapie die durchschnittliche Opioid-Dosis um 46 Prozent senken. Gleichzeitig verzeichnete sie eine deutliche Schmerzreduktion. „Die Hochfrequenztherapie erwies sich auch in dieser Studie als vorteilhaft. Sie stellt eine evidenzbasierte, nichtpharmakologische Alternative zur Opioid-Therapie dar oder kann als zusätzliche Behandlung die Reduktion von Opioiden erleichtern“, so Prof. Likar.

Hochfrequenzstimulation auch bei chronischen Schmerzen des Nackens und der Arme wirksam

Dass die Hochfrequenzstimulation auch bei Schmerzen des Nackens und der Arme zum Einsatz kommen könnte, lässt eine Studie vermuten, bei der 23 von 24 behandelten Patienten auf diese Therapie ansprachen. Ihre Schmerzen im Nacken oder in den Armen konnten sechs sowie zwölf Monate nach Therapiebeginn deutlich reduziert werden. Bei diesen Patienten verbesserte sich auch die Funktionalität, sie hatten also weniger schmerzbedingte Alltagseinschränkungen. „Auch wenn es noch weitere Studien mit größeren Patientenzahlen braucht, um die Hochfrequenzstimulation auch für die Behandlung von Nacken- und Armschmerzen empfehlen zu können, weisen diese Daten in eine sehr vielversprechende Richtung“, resümiert Prof. Likar.

Quellen:

Stauss T, El Majdoub F, Sayed D et al: A multicenter real-world review of 10 kHz SCS outcomes for treatment of chronic trunk and/or limb pain. Ann Clin Transl Neurol. 2019 Jan 22;6(3):496-507. doi: 10.1002/acn3.720. eCollection 2019 Mar.

Al-Kaisy A,  Van Buyten J-P, Carganillo R et al: 10 kHz SCS therapy for chronic pain, effects on opioid usage: Post hoc analysis of data from two prospective studies

Scientific Reports | (2019) 9:11441 | https://doi.org/10.1038/s41598-019-47792-3 1

El Majdoub F, Neudorfer C, Richter R et al: 10 kHz cervical SCS for chronic neck and upper limb pain: 12 months’ results. Ann Clin Transl Neurol. 2019 Nov;6(11):2223-2229. doi: 10.1002/acn3.50915. Epub 2019 Oct 8

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