Wien

Postoperative Schmerzen wirksam behandeln, Schmerzchronifizierung vorbeugen

Pressemitteilung zu den 19. Österreichischen Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft

Schmerzen nach chirurgischen Eingriffen werden noch immer nicht ausreichend behandelt, obwohl ausreichend Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen. Das bedeutet nicht nur vermeidbare Schmerzen, sondern auch das Risiko der Schmerz-Chronifizierung mit dauerhaften Beschwerden. Eine Reihe neuer Studien beschäftigt sich jetzt mit der Rolle von intravenösem Ibuprofen in der postoperativen Schmerztherapie.

Wien, 12. Februar 2020 – Schmerzen nach chirurgischen Eingriffen werden, trotz aller Fortschritte und Möglichkeiten, noch immer nicht immer ausreichend behandelt. „Es wird oft unterschätzt, wie häufig und intensiv sie auftreten. Internationalen und österreichischen Patientenbefragungen zufolge leiden ein Viertel der Patienten postoperativ unter starken Schmerzen“, berichtet OA Dr. Wolfgang Jaksch, Sekretär der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG), anlässlich der 19. Schmerzwochen der ÖSG. „Das ist auch deshalb problematisch, weil es nach unzureichend behandelten postoperativen Akutschmerzen zu einer Schmerz-Chronifizierung mit dauerhaften Beschwerden kommen kann. Eine gute Vorbeugung und Behandlung postoperativer Schmerzen ist entscheidend.“

Zur Linderung postoperativer Schmerzen stehen geeignete Medikamente zur Verfügung, eine Reihe neuer Studien beschäftigt sich jetzt sich mit intravenös verabreichtem Ibuprofen. Dieses kann Schmerzen lindern, die nach Operationen entstehen – unabhängig davon, ob diese an Kreuzband, Unterkiefer, Galle oder Magen durchgeführt wurden. Patienten, die nach den Eingriffen Ibuprofen zur Schmerzbehandlung erhalten, brauchen darüber hinaus weniger Opioide.

Ibuprofen ist ein nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR) mit anti-inflammatorischer, fiebersenkender und analgetischer Wirkung. Oral verabreicht ist es eines der am häufigsten verwendeten NSAR und seit langer Zeit im Einsatz. Die Infusionslösung erlaubt nun auch den frühzeitigen Einsatz dieser Substanz im perioperativen Schmerzmanagement. „Ein wichtiges Anwendungsgebiet in diesem Zusammenhang könnte ein frühzeitiger Einsatz beim Kaiserschnitt sein, denn die gut untersuchte Substanz geht fast nicht in die Muttermilch über“, sagt OA Dr. Jaksch. „Das ist schon deshalb von Bedeutung, weil sich in einer österreichweiten Befragung deutlich Defizite bei der schmerztherapeutischen Vorsorge nach Sektio gezeigt haben.“

Eine neue Studie (Cionac Florescu et al) zeigt zum Beispiel, dass Patienten weniger Morphin zur Schmerzlinderung nach einer Operation zur Wiederherstellung des vorderen Kreuzbandes benötigen, wenn sie alle zwölf Stunden 600 mg intravenös Ibuprofen erhalten. Zudem erweise sich Ibuprofen hier ähnlich schmerzlindernd wie Ketoprofen. Dr. Jaksch: „Da intravenöses Ibuprofen sicher in der Anwendung und gut verträglich ist, raten die Studienautoren, es als Analgetikum bei Kreuzbandoperationen in Betracht zu ziehen.“

Schmerzen nach Unterkiefer-OP vorbeugen

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Studie (Demirbas et al), die die schmerzlindernde Wirkung von Ibuprofen nach einer Unterkieferoperation am dritten Mahlzahn untersucht hat: Der präventive Einsatz von intravenösem Ibuprofen führte dazu, dass die Patienten nach der Operation geringere Schmerzen hatten und weniger Notfallanalgesie innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Operation benötigten.

Zwei weitere Studien verglichen intravenöses Ibuprofen und Paracetamol bezüglich ihrer schmerzlindernden Wirkung und des nötigen Opioidbedarfs nach chirurgischen Eingriffen. Sowohl nach Gallenblasen-Entfernungen (Ekinci et al) als auch nach Magenverkleinerungen (Ciftci et al) führte intravenöses Ibuprofen im Vergleich zu Paracetamol zu günstigeren Schmerzwerten und einer größeren Reduktion des Opioidbedarfs innerhalb der ersten 24 Stunden nach den Eingriffen.

Eine Studie (Ozmen et al), die intravenöses Ibuprofen im Vergleich zu einem ultraschallgesteuerten bilateralen oberflächlichen Nervenblock des Plexuscervicalisals Analgetikum bei Schilddrüsenoperation untersuchte, zeigte keine Unterschiede zwischen den beiden analgetischen Optionen bezüglich des Fentanyl-Bedarfs 48 Stunden nach der Operation und den Schmerzscores. Eine Einzeldosis Ibuprofen sei möglicherweise acht Stunden nach der Operation in der Schmerzprävention genauso erfolgreich wie der Block.

Quellen:

Cionac Florescu S, Anastase D, Munteanu A et al: ESRA19-0477. Efficacy of intravenous ibuprofen compared to intravenous ketoprofen for pain control following anterior cruciate ligament reconstruction. A prospective, randomized, double-blind study. Regional Anesthesia & Pain Medicine 2019;44:A238.

Demirbas AE, Karakaya M, Bilge S et al: Does Single-Dose Preemptive Intravenous Ibuprofen Reduce Postoperative Pain After Third Molar Surgery? A Prospective, Randomized, Double-Blind Clinical Study. J Oral Maxillofac Surg. 2019 Oct;77(10):1990-1997. doi: 10.1016/j.joms.2019.04.019. Epub 2019 Apr 25

Ekinci M, Ciftci B, Celik EC et al: A Randomized, Placebo-Controlled, Double-Blind Study that Evaluates Efficacy of Intravenous Ibuprofen and Acetaminophen for Postoperative Pain Treatment Following Laparoscopic Cholecystectomy Surgery. J Gastrointest Surg. 2019 Apr 22. doi: 10.1007/s11605-019-04220-1. [Epub ahead of print]

Ciftci B, Ekinci M, Celik EC et al: Comparison of Intravenous Ibuprofen and Paracetamol for Postoperative Pain Management after Laparoscopic Sleeve Gastrectomy. A Randomized Controlled Study. Obes Surg. 2019 Mar;29(3):765-770. doi: 10.1007/s11695-018-3613-1.

Ozmen O, Mutlu V, Ince I et al:  Single-dose intravenous ibuprofen versus ultrasound‑guided bilateral superficial cervical plexus block for post‑thyroidectomy pain: A randomized study Science 2019;8(4):857-60

www.embryotox.de/arzneimittel/details/ibuprofen/

Jaksch W et al. Schmerzversorgung bei chirurgischen Eingriffen. Ergebnisse einer österreichweiten Patientenbefragung zur postoperativen Schmerzsituation und zum perioperativen Schmerzmanagement. Der Schmerz 3/2018.

B. Braun – Bionorica ethics – Dr. Schuhfried Medizintechnik – Gebro Pharma – Grünenthal – Medtronic – Moorheilbad Harbach – Nevro – Novartis – Pfizer – Sanofi – Trigal Pharma

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