Wien

Pflege-Schmerzexperten für bessere Schulungen zum Problem chronischer Schmerz

Pressemitteilung zu den 19. Österreichischen Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft

Zwei aktuelle Studien zeigen: Schmerzexpertinnen und -experten aus der Pflege in Spitälern und in der Altenhilfe orten vielfach Verbesserungsbedarf bei der Schulung von Kollegen und bei der Etablierung von Expertenstandards für die Pflege und Betreuung von Menschen mit verschiedenen Schmerzzuständen.

Wien, 5. Februar 2020 – Diplomierte Pflegepersonen nehmen beim Schmerzmanagement in Krankenhäusern und in der Altenhilfe oft eine Schlüsselrolle ein. In Deutschland haben sich mehr als 15.000 Personen zu pflegerischen Schmerzexperten fortgebildet, in Österreich gibt es über 600 ausgebildete pflegerische Schmerzexperten. Doch in welchen Bereichen sind sie tatsächlich im Einsatz, welche Aufgaben erfüllen sie und wo sehen die Pflegekräfte selbst noch Verbesserungsbedarf? Das haben erstmals zwei aktuelle Studien eines Teams der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg erhoben. An einer Befragung unter pflegerischen Schmerzexperten in Krankenhäusern nahmen 329 Personen aus Deutschland teil. 87 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer absolvierten die Fortbildung zur Pain Nurse, 30,6 Prozent eine Qualifizierung als Pflegeexperte im Schmerzmanagement. Knapp die Hälfte der Befragten (46 Prozent) ist auf Allgemeinstationen tätig, die restlichen 54 Prozent betreuen Patienten mit invasiven Schmerztherapieverfahren. Jeweils ein Drittel betreut auch Patienten mit komplexen Schmerzproblemen aus operativen oder konservativen Abteilungen. „Die Daten belegen, dass pflegerische Schmerzexperten wesentliche Motoren sind, um die Professionalisierung des Schmerzmanagements im Spital voranzutreiben“, sagt Svetlana Geyrhofer, BA, Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG), anlässlich der 19. Österreichischen Schmerzwochen der ÖSG.

Schulungen und Einführung von Expertenstandards sind zentrale Vermittlungsaufgaben

Tatsächlich zählt bei 58 Prozent die Schulung der pflegerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu den häufigsten edukativen Aufgaben im Berufsalltag, bei 51 Prozent ist es die Einführung von Expertenstandards für die Pflege von Patienten mit akuten Schmerzen. Die Umfrage zeichnete aber auch ein sehr klares Bild davon, wo es laut der Befragten noch Defizite gibt: Sie erleben einen Optimierungsbedarf bei der Betreuung von Patienten mit komplexen Schmerzproblemen, sei es auf operativen (60 Prozent) oder konservativen Abteilungen (71 Prozent). Auch bei edukativen und konzeptionellen Aufgaben gibt es laut Umfrageteilnehmern Luft nach oben, insbesondere bei der Schulung anderer Pflegekräfte, wie 70 Prozent angaben. Die Einführung des Expertenstandards Schmerzmanagement für die Pflege von chronischen Schmerzpatienten würde ebenso mehr Aufmerksamkeit verdienen, sind 61 Prozent der Meinung.

Altenpflege: Nur ein Fünftel der Einrichtungen haben Arbeitsgruppen zum Thema Schmerz

Auch in der Altenhilfe etabliert sich seit fast 20 Jahren das pflegerische Schmerzmanagement. Hier zeigt eine Umfrage unter 110 pflegerischen Schmerzexperten aus Altenpflegeheimen, ambulanten Pflegediensten und Einrichtungen wie Hospizen oder spezialisierter ambulanter Palliativversorgung ein vergleichbares Bild wie in den Spitälern: 58 Prozent der pflegerischen Schmerzexperten betreuen nicht nur Pflegebedürftige, sie müssen auch Expertenstandards einführen und umsetzen. 59 Prozent haben auch die Schulung der pflegerischen Mitarbeiter zur Aufgabe. Jeweils 54 Prozent der Befragten erleben einen Optimierungsbedarf in der Versorgung von Seniorenheimbewohnern mit chronischen Schmerzen und komplexen Schmerzproblemen. Fast drei Viertel (73 Prozent) finden, konzeptionelle und edukative Aufgaben kommen zu kurz, insbesondere was die Schulung von pflegerischen Mitarbeitern betrifft. Nur in 22 Prozent der Einrichtungen gibt es Arbeitsgruppen zum Thema Schmerz, obwohl Menschen fortgeschrittenen Alters sehr häufig unter Schmerzen leiden.

Schriftliche Aufgabenbeschreibung fehlt häufig

Sowohl in Spitälern wie in der Altenhilfe fehlt mehrheitlich eine schriftliche Festlegung der Aufgaben der pflegerischen Schmerzexperten. „Das wäre aber sehr wichtig, um für die Tätigkeit der pflegerischen Schmerzexperten ein Bewusstsein zu schaffen und ihr mehr Raum und Verbindlichkeiten einzuräumen. Die fehlende schriftliche Festlegung von Rolle und Aufgaben lässt vermuten, dass die Kompetenz der pflegerischen Schmerzexperten nicht einrichtungsweit genutzt oder eingesetzt wird“, so Svetlana Geyrhofer. Auch eine bessere Vernetzung der pflegerischen Schmerzexperten innerhalb und außerhalb der jeweiligen Einrichtung wäre ein wünschenswertes Ziel, um voneinander lernen zu können. Derzeit ist nur die Hälfte der pflegerischen Schmerzexperten in Spitälern oder Altenheimen mit anderen in Kontakt.

Quelle:

Abstractband Deutscher Schmerzkongress 2019: Abstract P02.06, Ruth Boche/Nadja Nestler, Pflegerische SchmerzexpertInnen im Krankenhaus – wo sind sie und was sind ihre Aufgaben? Abstract P02.07, Nadja Nestler/Ruth Boche, Aufgaben pflegerische SchmerzexpertInnen in der Altenhilfe

B. Braun – Bionorica ethics – Dr. Schuhfried Medizintechnik – Gebro Pharma – Grünenthal – Medtronic – Moorheilbad Harbach – Nevro – Novartis – Pfizer – Sanofi – Trigal Pharma

Die inhaltliche Verantwortung für alle Pressetexte liegt ausschließlich bei der
Österreichischen  Schmerzgesellschaft.

Medienkontakt:
B&K – Bettschart&Kofler Kommunikationsberatung
Dr. Birgit Kofler
0676 6368930; 01 3194378
kofler@bkkommunikation.com

< zurück