Wien/Linz

Migräne: Wie richtige Ernährung zur Prophylaxe beiträgt

Pressemitteilung zu den 19. Österreichischen Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft

Migräne und Essen hängen eng zusammen: Spezielle Diäten, Gewichtsreduktion und das Vermeiden bestimmter Lebensmittel können die Anzahl und Heftigkeit von Migräne-Attacken reduzieren. Eine neue Studie fasst den aktuellen Wissensstand zum Thema Ernährung und Kopfschmerz zusammen.

Wien/Linz, 18. Februar 2020 – Die pathologischen Mechanismen von Migräne hängen eng mit Ernährung zusammen. Umfangreiche Untersuchungen zeigen, dass vaskuläre Dysfunktion, Kortikale Streudepolarisierung (Cortical Spreading Depression, CSD), die Erweiterung von Blutgefäßen und die damit verbundene Aktivierung der Schmerz- und Dehnungsrezeptoren des Nervus trigeminus sowie der pro-inflammatorische und oxidative Zustand der Patienten eine Rolle bei der Entstehung von Migränekopfschmerz spielen. Ob und wie spezielle Diäten diese Mechanismen beeinflussen und somit zur Migräneprophylaxe beitragen können, ist daher eine Fragestelle, zu der zunehmend geforscht wird. „Leider ist die Zahl der Studien zur Rolle von Ernährung bei Kopfschmerzen und Migräne noch gering. Wir haben in unserem Review alle vorhandenen Evidenzen zusammengefasst und analysiert“, berichtet Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Lampl, Vizepräsident der European Headache Federation, anlässlich der 19. Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG). Die jährliche ÖSG-Informationsinitiative steht heuer im Zeichen der Schmerzvorbeugung. „Auch wenn noch vieles genauer erforscht werden muss, lassen sich von der Studie doch einige vielversprechende Prophylaxe-Ansätze ableiten“, so Prof. Lampl. 

Auf bestimmte Lebensmittel verzichten

Bei manchen Migränepatienten setzen die Kopfschmerzattacken nach dem Konsum bestimmter Lebensmittel ein, zum Beispiel Käse, Schokolade, Zitrusfrüchte, Alkohol, Kaffee, Tomaten, Kohlehydrate, gesäuerte Lebensmittel oder Rotwein. „Für die Migräneprophylaxe sollten diese individuellen Trigger identifiziert und vom Speiseplan gestrichen werden“, rät Prof. Lampl.

Kohlehydrate sparen

Nach gegenwärtigem Wissensstand können die ketogene Diät und die modifizierte Atkins Diät zur Migräneprophylaxe beitragen: Bei diesen Ernährungsweisen werden Kohlehydrate gespart und dafür vermehrt protein- und fettreiche Lebensmittel gegessen. Diese Diäten kompensieren die serotonerge Dysfunktion, senken das Level der Calcitonin Gene-Related Peptiden (CGRP) und unterdrücken die Neuroinflammation.

Auch die Glyx-Diät dürfte ein vielversprechender Ansatz zur Prophylaxe von Migränekopfschmerz sein, da sie Entzündungen reduziert. Die Ernährung basiert bei dieser Diät auf Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index wie Fleisch, Fisch sowie hochwertigen Fetten. Kohlehydrate werden hingegen reduziert, auf Zuckerhaltiges wird weitgehend verzichtet. „Wir brauchen allerdings noch mehr Studien, um die genaue Wirkung der Glyx-Diät bei Migräne zu verstehen“, erklärt Prof. Lampl.

Gewichtsreduktion auch als Migräneprophylaxe

Kopfschmerz und Migräne sind mit Mechanismen wie Entzündung und irregulärer Funktion des Hypothalamus verbunden. Adipositas auch. Eine Gewichtsreduktion kann daher auch mit einer Verbesserung des Migränekopfschmerzes einhergehen.

Die richtigen Fette zu sich nehmen

Bei der Ernährung eine Balance zwischen essentiellen Fettsäuren, Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren zu schaffen, ist eine andere wichtige Maßnahme zur Migräneprophylaxe. Studien zufolge verbessern sich die Kopfschmerzen jener Patienten in höherem Ausmaß, die mehr Omega-3- und weniger Omega-6-Fettsäuren zu sich nehmen im Vergleich zu Patienten, deren Diät aus der Reduktion von Omega-6-Fettsäuren alleine bestand. Omega-6-Fettsäuren sind beispielsweise in Distel- oder Sonnenblumenöl enthalten und werden vom Körper sehr gut gespeichert. Omega-3-Säuren kommen beispielsweise in Lein-, Leindotter- oder Walnussöl oder in fetten Fischen wie Aal, Karpfen oder Lachs vor. „Jede Diät, bei der die Aufnahme von Fetten zur Regulierung von Plasma-freien Fettsäuren und des Plasma-Lipid-Profils und somit in der Folge zur Reduktion der Blutplättchenaggregation führt, scheint die Häufigkeit und Dauer von Migränekopfschmerz zu vermindern“, so Prof. Lampl.

Zusammengefasst können Diäten als eine wirksame Strategie der Kopfschmerz- und Migräne-Prophylaxe angesehen werden – seien es Diäten zum Gewichtsverlust bei adipösen Patienten, ketogene und Niedrigkalorien-Diäten sowie die Reduktion von Omega 6- und die Steigerung von Omega-3 Fettsäuren.

Quelle:

Razeghi Jahromi S, Ghorbani Z, Martelletti P, Lampl C, Togha M; School of Advanced Studies of the European Headache Federation (EHF-SAS): Association of diet and headache. J Headache Pain. 2019 Nov 14;20(1):106. doi: 10.1186/s10194-019-1057-1.