Paris/Wien

MedUni Wien-Studie: Schlüsselmechanismus für die Mitralklappen-Insuffizienz bei Herzschwäche identifiziert

PA der Österreichischen Kardiologengesellschaft zum Europäischen Kardiologiekongress (Paris)

Eine neue Studie der MedUni Wien konnte erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen der unkoordinierten Kontraktion der Papillarmuskeln, die ein Teil des Klappenapparats sind, und dem Schweregrad der Herzklappeninsuffizienz (Mitralinsuffizienz) zeigen. Eine Verbesserung der koordinierten Kontraktion der Papillarmuskeln mittels kardialer Resynchronisationstherapie geht mit einem deutlichen Rückgang der Mitralinsuffizienz und einem signifikant verbesserten Langzeitüberleben einher. Untersucht wurden 269 Patienten mit chronischer Herzschwäche unter optimaler medikamentöser Therapie über einen achtjährigen Nachbeobachtungszeitraum mittels Herzultraschall.

Paris/Wien, Mittwoch 4. September 2019 – Eine Studie der MedUni Wien konnte erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen der unkoordinierten Kontraktion der Papillarmuskeln, die ein Teil des Klappenapparats sind, und dem Schweregrad der Herzklappeninsuffizienz (Mitralinsuffizienz) zeigen. „Eine Verbesserung der koordinierten Kontraktion der Papillarmuskeln mittels kardialer Resynchronisationstherapie geht mit einem deutlichen Rückgang der Mitralinsuffizienz einher. Dieser Rückgang spiegelt sich in einem signifikant verbesserten Langzeitüberleben bei Patienten mit Herzschwäche wieder“, berichtet Dr. Georg Spinka (Universitätsklinik für Innere Medizin II, Abteilung für Kardiologie, Arbeitsgruppe für Herzinsuffizienz und strukturelle Klappenerkrankungen) auf dem Europäischen Kardiologiekongress in Paris.

In Paris kommen von 31. August bis 4. September 32.000 Teilnehmer aus 150 Ländern zusammen – der Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) ist einer der weltweit größten Medizinkongresse.

Dr. Spinka: „Da der Herzultraschall eine vergleichsweise kostengünstige Untersuchung ist, die Patienten mit Herzschwäche ohnehin regelmäßig durchführen lassen sollten, können wir mit unserer Erkenntnis der Untersuchung zusätzlich Gewicht verleihen und darauf aufmerksam machen, dass dieser spezielle Krankheitsmechanismus identifizierbar und in einigen Fällen effektiv behandelbar ist, wodurch das Überleben von Patienten mit Herzschwäche verbessert werden kann.“

Die Studie untersuchte die Auswirkungen einer unkoordinierten Kontraktion der Papillarmuskeln auf die Mitralinsuffizienz bei Herzschwäche-Patienten und die mögliche Behandlung dieser sogenannten Dyssynchronie durch die kardiale Resynchronisationstherapie (CRT), eine Schrittmachertherapie, die besonders bei Patienten mit Herzschwäche zum Einsatz kommt. Untersucht wurden 269 Patienten mit chronischer Herzschwäche unter optimaler medikamentöser Therapie über einen achtjährigen Nachbeobachtungszeitraum. Anhand spezieller Messungen mittels Herzultraschall wurden die Mitralinsuffizienz sowie der unkoordinierte Kontraktionsablauf genau analysiert.

Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz entwickeln häufig eine funktionelle Mitralklappeninsuffizienz, die den weiteren Verlauf der Erkrankung verschlechtern kann. Ursächlich dafür ist eine Ausdehnung der Kammern, die einerseits eine Erweiterung des Klappenrings verursacht und andererseits eine ungünstige Verlagerung der Papillarmuskeln bedingt. Letztere sind Teil des Klappenapparats, über Sehnenfaden mit den Klappensegeln verbunden und für den Zug verantwortlich, der die Klappe schließt und so einen Blutrückstrom verhindert. Eine Verlagerung der Papillarmuskeln hat daher zur Folge, dass diese nicht mehr koordiniert kontrahieren und dadurch die Klappensegel nicht mehr vollständig schließen.

ESC 2019; Abstract: Mechanistic insights of papillary muscle dyssynchrony mediated functional mitral regurgitation and modulation by cardiac resynchronization

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