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Herztod in Österreich: Wo wir stehen, was wir brauchen – Leistungsbilanz und Forderungen an die Gesundheitspolitik

Pressegespräch der ÖKG, 28.11.2019 - Statement Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Siostrzonek, Ordensklinikum Linz; Präsident der ÖKG

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Österreich noch immer die Haupt-Todesursache, 39 Prozent der Menschen versterben daran, was im internationalen Vergleich sehr hoch ist. Das ist ein sehr deutlicher Hinweis darauf, dass trotz aller Fortschritte der modernen Herz-Medizin die Herausforderungen in der Kardiologie zunehmen, sich aber gleichzeitig verändern. Nach einer eindrucksvollen Senkung der Herzinfarkt-Sterblichkeit durch die medizinischen Fortschritte steigt z. B. die Zahl von Herzinsuffizienz-PatientInnen rapide an. Unbestritten ist, dass heute für die Abnahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen Prävention und Früherkennung entscheidend sind. Allerdings besteht hier in Österreich ein massiver Nachholbedarf, wie eine Reihe auch sehr aktueller Studien zeigen.

Wir haben Sie zu diesem Pressegespräch eingeladen, um auf die Leistungen der modernen Herz-Medizin hinzuweisen, aber auch um Ihnen zu zeigen, was aus kardiologischer Sicht getan werden muss, um das Auftreten von Herzkrankheiten ebenso zu verringern wie ihre Auswirkungen. Führende Vertreter der Kardiologie und der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer werden aufzeigen, welche Maßnahmen – von der Vorbeugung über die Versorgung bis hin zur ärztlichen Ausbildung – umgesetzt werden müssen, um den Herausforderungen in der Herzmedizin wirksam zu begegnen. Unser Adressat ist die österreichische Politik: Die „Kassenreform“ mit der Gründung einer Österreichischen Gesundheitskasse und die Aussichten auf eine neue Bundesregierung bieten eine historische Chance, diese Vorschläge umzusetzen.

Immer weniger Herz-Todesfälle trotz wachsender und älterer Bevölkerung

Die niedergelassene, ambulante und stationäre kardiologische Betreuung in Österreich muss als erstklassig bezeichnet werden. So war es möglich, die Zahl der Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen vom Jahr 1980 bis zum Jahr 2018 von 49.014 auf 32.684 zu verringern – und das bei einer in diesem Zeitraum um etwa 1,3 Millionen gewachsenen Bevölkerung.

Österreichische Besonderheiten: Mehr Herz-Tote als Krebs-Tote

Im internationalen Vergleich zeigen sich allerdings in Österreich einige Besonderheiten. Das belegen auch die auf dem letzten Kongress der Europäischen Kardiologiegesellschaft (ESC) präsentierten Daten der PURE-Studie. Bewohner von High Income Countries (HIC) wie Österreich haben demnach generell die meisten kardiologischen Risikofaktoren, konsumieren die meisten Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, haben die wenigsten Spitalseinweisungen und leben am längsten. Im weltweiten Maßstab ist heute in HIC die Todesursache Karzinom um 2,5mal häufiger als eine kardiovaskuläre Ursache. In Österreich ist das allerdings anders. Konträr zu anderen HIC liegen bei uns Krebserkrankungen als Todesursache seit Jahrzehnten mit plus/minus 20.000 pro Jahr konstant an zweiter Stelle nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Österreich ist also in diesem Bereich nicht dort angekommen, wo es eigentlich hingehört.

Solche Studienergebnisse sind ein Alarmsignal, das nicht überhört werden darf. Diese Daten sollten der Gesundheitspolitik einen zusätzlichen Anlass bieten, die kardiologische Versorgung in Österreich in Zukunft auf keinen Fall zu reduzieren, sondern entsprechend auszubauen und fit für die künftigen Herausforderungen zu machen. Im Folgenden eine Reihe von Maßnahmen, die zur Sicherung der herzmedizinischen Versorgung umgesetzt werden müsse. Die nach mir sprechenden Teilnehmer an diesem Pressegespräch werden auf einige zentrale Punkte vertiefend eingehen.

Wo die kardiologische Versorgung in Österreich besser werden muss

In den Themenbereichen Früherkennung und Prävention ist noch sehr viel „Luft nach Oben“, eine bessere Koordination und Abstimmung der vielfältigen Maßnahmen ist sinnvoll.

Es muss leitliniengerecht behandelt werden und die Kosten dafür müssen von den Krankenkassen übernommen werden – das ist bei Medikamenten nicht immer der Fall.

Gesichert sein müssen ausreichend viele Spitalsambulanzen und kardiologische Abteilungen mit fachspezifischen invasiven und nicht-invasiven Angeboten. Das schließt auch genügend hochwertige Spitalsbetten ein, zum Beispiel für Katheter-Untersuchungen und -Interventionen oder Überwachungsbetten, die auf keinen Fall abgebaut werden dürfen.

Auf eine solide Basis gestellt werden müssen Rehabilitation und Langzeitbetreuung unter intensiver Einbeziehung des niedergelassenen ärztlichen Bereichs. Das schließt auch die konsequente Nutzung telemedizinischer Anwendungen ein, die bei weitem nicht flächendeckend genützt werden, sowie mobile Pflege- und Betreuungsdienste. All das gehört in ein Gesamtkonzept mit optimierten Schnittstellen integriert.

Und natürlich geht es auch darum, die Kardiologie finanziell entsprechend auszustatten, damit diese Leistungen erbracht werden können und auch in Zukunft gesichert sind. Das muss österreichweit auf einem den modernen Entwicklungen entsprechenden Versorgungsniveau geschehen, und es darf zu keinen Abstrichen bei relevanten kardiologischen Leistungen wie Labor, Medikamente, Telemedizin und mobile Pflege kommen.

Die Gesundheitspolitik muss den hohen Stellenwert der Herzmedizin realistisch einschätzen und ausreichend in sie investieren.

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