Paris/Wien

Herzklappenerkrankungen: Exakte Körperwasser-Messungen können die Prognose verbessern

PA der Österreichischen Kardiologengesellschaft zum Europäischen Kardiologiekongress (Paris)

Eine Studie der MedUni Wien zeigt, dass der Schweregrad der mit einem Body Composition Monitor einfach und verlässlich messbaren Überwässerung mit einer schlechteren Prognose einhergeht. Das soll Ärzten ermöglichen, je nach Ergebnis eine individualisierte medikamentöse Therapie durchzuführen, um so die Prognose zu verbessern. Sollten die dafür nötigen weiteren Studien gute Ergebnisse erbringen, könnten Patienten die Entwässerungstherapie selbstständig je nach Grad der Überwässerung anpassen, um so Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und die Lebensqualität zu verbessern, sagen Experten auf dem Europäischen Kardiologiekongress in Paris.

Paris/Wien, Dienstag 3. September 2019 – Der Flüssigkeitshaushalt spielt bei Patienten mit Herzklappenerkrankungen eine zentrale Rolle. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung führen Wasseransammlungen im gesamten Körper zu Zeichen des Herzversagens und Beschwerden wie Luftnot bei Belastung und Wasseransammlungen in den Gliedmaßen. Eine Studie der MedUni Wien mit 232 Teilnehmern, die auf dem Europäischen Kardiologiekongress in Paris vorgestellt wurde, zeigt jetzt, dass der Schweregrad der mit einem Body Composition Monitor verlässlich messbaren Überwässerung mit einer schlechteren Prognose wie der Notwendigkeit eines Krankenhausaufenthalts, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod einhergeht. „In weiterer Folge ist denkbar, dass Ärzte je nach Ergebnis des Body Composition Monitors eine individualisierte medikamentöse Therapie durchführen können, um so die Prognose zu verbessern“, berichtet Studien-Erstautorin Dr. Carolina Donà (Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin II, Abteilung für Kardiologie). „Sollten die dafür nötigen weiteren Studien gute Ergebnisse erbringen, ergäbe sich auch die Möglichkeit, dass Patienten die Entwässerungstherapie – in Rücksprache mit den behandelnden Ärzten – selbstständig je nach Grad der Überwässerung anpassen, um so Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und die Lebensqualität zu verbessern.“

In Paris kommen von 31. August bis 4. September 32.000 Teilnehmer aus 150 Ländern zusammen – der Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) ist einer der weltweit größten Medizinkongresse.

Eine verlässliche Methode, das Ausmaß der Überwässerung zu bestimmen, habe es bisher nicht gegeben, sagt Dr. Donà, und es sei oft schwierig, die richtige Dosis der entwässernden Therapie zu finden. Der Body Composition Monitor, der im Bereich der Dialyse erfolgreich eingesetzt wird, bietet die Möglichkeit, das Körperwasser sowie den Grad der Überwässerung mithilfe einer so genannten Impedanzmessung genau festzustellebn. Das dauert wenige Minuten, wobei je 2 Klebeelektroden an Hand und Fuß angebracht werden. Im Bereich der Herzklappenerkrankungen sei es allerdings bisher unklar gewesen, ob der Body Composition Monitor von Nutzen sein kann, sagt Dr. Donà.  

Für die Studie erhielten insgesamt 232 Patienten, die an einer zumindest mittelgradigen Herzklappenerkrankung litten, aber nicht kardial dekompensiert waren, eine Körperwassermessung. Neben den Ergebnissen wurden die Befunde der Herzultraschalluntersuchung, Begleiterkrankungen und wichtige Laborwerte erhoben. Alle Patienten wurden für zumindest 6 Monaten nachkontrolliert und festgestellt, ob ein Ereignis wie ausgeprägte Überwässerung (Dekompensation) mit Notwendigkeit eines Krankenhausaufenthalts, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod aufgetreten war.

Durchschnittlich bestand bei den Patienten ein Überwässerungsgrad von +0.6l. Das mittlere Alter betrug 72 Jahre. Bei jedem Dritten trat eines der genannten Ereignisse auf. Insgesamt konnte in der Studie gezeigt werden, dass Patienten, die bei der ersten Messung einen höheren Grad der Überwässerung hatten, auch ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse hatten. Dies zeigte sich auch, wenn andere wichtige Faktoren wie Begleiterkrankungen und Nierenfunktion in die statistische Analyse miteinbezogen wurden.

EAC 2019; P4669: Quantification of fluid status using bioelectrical impedance spectroscopy (BIS): a predictor of outcome in patients with valvular heart disease

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