Wien

Geplante Gesetzesänderung zur palliativmedizinischen Begleitung am Lebensende ist zu begrüßen

Stellungnahme von Prim. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar (Klagenfurt), Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI)

Novelle setzt langjährige Forderung von Palliativmedizinern um – Ziel ist Humanisierung und optimale Begleitung am Lebensende – Optimierte Schmerztherapie nicht mit Sterbehilfe verwechseln.

Am Mittwoch, dem 21. November 2018, wird sich der Ministerrat mit einer Novelle des Ärztegesetzes befassen, das Neuregelungen in einigen unterschiedlichen Bereichen enthält. Eine davon betrifft die ärztliche Begleitung von Patientinnen und Patienten am Lebensende, hier sollen klarere Rahmenbedingungen geschaffen werden, was ausdrücklich zu begrüßen ist. Mit der geplanten Novellierung wird eine langjährige Forderung der in diesem Bereich tätigen Fachgesellschaften (ÖGARI, Österreichische Palliativgesellschaft) erfüllt. Die zahlreichen positiven Stellungnahmen zeigen auch, dass die palliativmedizinische Praxis sehr froh ist über die Klarstellung, die im Zeichen einer Humanisierung steht.

Der Entwurf sieht vor, dass Ärztinnen und Ärzte sterbenden Menschen, die sie behandeln, „unter Wahrung ihrer Würde“ beizustehen haben. Weiters wird präzisiert, dass es bei Sterbenden zulässig ist, „im Rahmen palliativmedizinischer Indikationen Maßnahmen zu setzen, deren Nutzen zur Linderung schwerster Schmerzen und Qualen im Verhältnis zum Risiko einer Beschleunigung des Verlusts vitaler Lebensfunktionen überwiegt.“

Das ist ein wichtiger und positiver Schritt im Interesse von Menschen am Lebensende, deren Leiden wir wirksam lindern können. Keinesfalls hat diese gesetzliche Klarstellung, wie dies in der Diskussion von manchen Seiten angesprochen wurde, etwas mit einer Öffnung in Richtung Sterbehilfe oder assistiertem Suizid zu tun – gegen die auch wie uns immer klar ausgesprochen haben. Es geht um die rechtliche Absicherung eines zutiefst ethischen ärztlichen Handelns, das kann man gar nicht deutlich genug machen.

Es gibt gegen Ende  des Lebens bei allen unseren Patienten einen Zeitpunkt, an dem wir das Therapieziel vom Prinzip der Heilung in Richtung palliative Betreuung verändert müssen – alles andere wäre nicht ethisch. Dieser Zeitpunkt ist immer individuell zu treffen, auch in Absprache mit den Patienten natürlich. Und es ist erfreulich, dass es dazu nun mehr Rechtssicherheit gibt.

Darüber hinaus ist es keineswegs so, dass eine wirksame Symptombehandlung in der Palliativsituation, zum Beispiel mit Opioid-Medikamenten, lebensverkürzend ist. Im Gegenteil, wir wissen, dass Patientinnen und Patienten, bei denen frühzeitig palliativmedizinische Konzepte zur Linderung von quälenden Symptomen einbezogen werden und bei denen auf belastende Therapien, die keinen Nutzen mehr bringen, verzichtet wird, manchmal sogar länger leben und in jedem Fall eine bessere letzte Lebensphase haben als jene, bei denen bis zur letzten Minute jede therapeutische Option ausgeschöpft wird.

Medienkontakt:

ÖGARI-Pressestelle

B&K – Bettschart&Kofler Kommunikationsberatung

Dr. Birgit Kofler

kofler[at]bkkommunikation.com; 01 3194378; 0676 6368930