Cannabidiol (CBD) vielseitig schmerzlindernd, Schmerzexperte fordert Einstufung als rezeptpflichtiges Medikament

Neuere Studien zeigen einmal mehr, dass Cannabidiol (CBD) in der Schmerztherapie vielseitig einsetzbar ist, etwa bei Tumorschmerzen und neuropathischen Schmerzen. Es kann als ergänzende Therapie schmerzlindernd wirken, den Opioidbedarf reduzieren und die Lebensqualität von Schmerzpatientinnen und -patienten verbessern. Schmerzexperte Univ.-Prof. Rudolf Likar fordert anlässlich der Österreichischen Schmerzwochen die Klassifizierung von CBD als rezeptpflichtiges Medikament.

Wien/Klagenfurt, 12. Februar 2021 – Cannabidiol (CBD), der nicht-psychoaktive Wirkstoff der Hanfpflanze Cannabis sativa, erweist sich in der Schmerztherapie inzwischen als durchaus vielseitig einsetzbar. Bei sonst therapieresistenten Schmerzsymptomen lässt es sich zum Beispiel in Kombination mit Opioiden und anderen Schmerzmedikamenten verwenden. „Wenn die Therapie mit CBD ergänzt wird, benötigen Schmerzpatientinnen und Schmerzpatienten häufig weniger Opioide“, erklärt ÖSG-Generalsekretär Prim. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar (Klagenfurt) anlässlich der 20. Österreichischen Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG). Die Fachgesellschaft informiert seit 20 Jahren anlässlich ihrer Schmerzwochen über die neuesten Entwicklungen in der Schmerzmedizin.

Einer Studie zufolge brauchte beispielsweise mehr als die Hälfte von 131 chronischen Schmerzpatientinnen und -patienten weniger oder gar keine Opioide mehr, nachdem sie acht Wochen zusätzlich zu ihrer laufenden Schmerzmedikation CBD-reiches Hanfextrakt eingenommen hatten. Fast alle Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer gaben an, dass sich ihre Lebensqualität verbessert habe. „Die Arbeit zeigt einmal mehr, dass CBD schmerzlindernd wirkt und Lebensqualitätsfaktoren wie etwa die Schlafqualität der Patientinnen und Patienten verbessert“, sagt Prof. Likar.

CBD gegen Rücken- und Tumorschmerzen

Auch bei der Behandlung akuter und chronischer Rückenschmerzen könnte CBD künftig als Therapie-Ergänzung zum Einsatz kommen. In einer aktuellen Publikation (Fallserie und Literaturanalyse) zeigte lokal aufgetragenes CBD bei Personen mit Rückenschmerzen entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung, wenn die Beschwerden neuropathischer und radikulärer Natur waren.

Die Behandlung von Tumorschmerzen könnte zu einem wichtigen Einsatzgebiet von CBD werden. „Eine Übersicht der Literatur zu Tierstudien und Fallberichte mit CBD zeigt, dass präklinische Untersuchungen, insbesondere während der letzten Jahre, unisono auf eine therapeutische Wirksamkeit von CBD bei Tumorschmerzen hinweisen“, so Prof. Likar. „Dazu kommen zunehmende Hinweise auf eine positive Wirkung der Substanz auf das Tuorgeschen selbst, wie wir an unserer Klinik etwa beim Gliom zeigen konnten.“

Mögliche Therapieoption in der Palliativversorgung

Vereinzelt durchgeführte Kombinationsstudien lassen auch darauf schließen, dass CBD mit anderen Schmerzmitteln synergetisch agieren kann und sich die schmerzlindernde Wirkung dadurch erhöht. Möglicherweise kann CBD auch in der palliativmedizinischen Versorgung insbesondere bei Symptomen wie Schmerzen, Schlaflosigkeit, Angstzuständen und Depression eine Rolle spielen. „CBD sollte aufgrund seiner vielseitigen Einsatzmöglichkeiten einen höheren Stellenwert in der Behandlung von akuten und chronischen Schmerzen einnehmen. Weitergehende Studien wären jedenfalls wünschenswert“, sagt Prof. Likar.

Geplante Einstufung als Suchtmittel problematisch

Für kontraproduktiv hält der Experte hingegen die auf EU-Ebene diskutierte Einstufung von CBD als Suchtmittel. Eine andere Änderung hält er allerdings für wünschenswert: „CBD sollte als rezeptpflichtiges Medikament eingestuft werden“, fordert Prof. Likar. „Das ist auch deshalb wichtig, da die Qualität frei erhältlicher CBD-Produkte keinen strengen, mit Arzneimitteln vergleichbaren Kontrollen unterliegt. Aus Gründen der Patientensicherheit sollte CBD nur zur medizinischen Anwendung kommen, wenn es vom Arzt verschrieben wird.“

Quellen:

Capano A, Weaver W, Burkman E: Evaluation of the effects of CBD hemp extract on opioid use and quality of life indicators in chronic pain patients: a prospective cohort study Postgrad Med 2020 Jan;132(1):56-61;
Eskander J P, Spall J,  Spall A et al: Cannabidiol (CBD) as a treatment of acute and chronic back pain: A case series and literature review J Opioid Manag May/Jun 2020;16(3):215-218;
Likar R, Köstenberger M, Nahler G: Cannabidiol bei Tumorerkrankungen. Der Schmerz 2020;34:117–122.

 

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