Wien, Linz, Mistelbach-Gänserndorf

Aktuelle Zahlen: Pathologen-Mangel verschärft sich in Österreich rapide

Statement Präsident Dr. Peter Niedermoser; Präsident der Oberösterreichischen Ärztekammer, Präsident der Arztakademie der ÖÄK, Mitglied des Bildungsausschusses und der Ausbildungskommission der ÖÄK (OA Pathologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, Linz)

Dass sich Ärztemangel in Österreich zunehmend verschärft, ist ein Thema, das bisher in der Bundespolitik leider nur zum Teil angekommen ist. Noch immer versuchen viele Gesundheitspolitiker, Sozialversicherer und Gesundheitsökonomen Entwarnung zu geben mit dem Hinweis auf die angeblich „zweithöchste Ärztedichte“ Europas in Österreich, und darauf, dass wir zwar genügend Ärzte hätten und bloß ein „Verteilungsproblem“. Das ist allerdings eine Vogel-Strauß-Politik, die Patienten und Ärzte noch vor sehr ernste Versorgungsprobleme stellen wird, wenn nicht schnell und entschlossen wirksame Maßnahmen umgesetzt werden.

Ich möchte Ihnen am Beispiel der Pathologie zeigen, wie ernst das Problem des Pathologen-Mangels bereits ist und wie sehr es sich weiter zuspitzen wird, wenn die Politik nicht aktiv wird.

Problematische Altersverteilung bei Pathologinnen und Pathologen

Wir haben die aktuelle Altersstatistik aller Pathologinnen und Pathologen im Hinblick auf die zukünftige Versorgungssituation ausgewertet. Dabei ergibt sich das folgende Bild:

Es gibt heute in Österreich 299 Pathologinnen und Pathologen, die das Fach primär ausüben. Die höchste Alters-Konzentration in dieser Gruppe liegt heute bei 58 Jahren – vor 20 Jahren lag sie noch bei den etwa 45jährigen. In 10 Jahren werden 48 Prozent aller heute in Österreich aktiven Pathologen das Pensionsantrittsalter erreicht haben.

Man sieht: Verschiebt sich die Alterskurve in Richtung Pensionsalter, so gehen jedes Jahr Pathologen verloren. Diese Abgänge können aber nicht mit jungen Pathologinnen und Pathologen aufgefangen werden, weil der Trend insgesamt deutlich rückläufig ist und der zahlenmäßige Nachwuchs nicht vorhanden ist.  Die heutigen Pathologen-Zahlen werden wir aus heutiger Sicht nicht mehr erreichen, obwohl der Bedarf an Pathologen schon aufgrund der immer komplexeren Untersuchungen und die zunehmende Bedeutung der personalisierten Therapien weiter zunehmen wird.

Den mittelfristigen jährlichen Nachbesetzungsbedarf haben wir mit 14,2 Pathologinnen und Pathologen errechnet, die das Fach primär ausüben. Das ist die Anzahl zusätzlicher Pathologen, die wir zur Aufrechterhaltung des Status quo in 5 Jahren benötigen, um die pensionsbedingten Abgänge zu neutralisieren.

Schon heute können Ausbildungsstellen nicht besetzt werden

Schon heute ist es nicht möglich, in den Spitälern die genehmigten Ausbildungsstellen zu besetzen. So gab es derzeit (Stand Februar 2019) in Österreich 144 gemäß der alten Ausbildungsordnung von der Ärztekammer und dem Gesundheitsministerium genehmigte Ausbildungsstellen, von denen allerdings nur 37 besetzt werden konnten.

Die Zahlen für die Bundesländer: Im Burgenland wurde von 3 bewilligten Ausbildungsstellen keine einzige besetzt, in Kärnten war das Verhältnis 6 zu 0, in Niederösterreich 15 zu 6, in Oberösterreich 17 zu 6, in Salzburg 6 zu 3, in der Steiermark 36 zu 8, in Tirol 6 zu 0, in Vorarlberg 4 zu 2, und in Wien konnten von 51 genehmigten Ausbildungsstellen nur 12 besetzt werden.

Aus diesen dramatischen Ergebnissen, die ohne geeignete und wirksame Gegenmaßnahmen für die Zukunft schlimme Konsequenzen befürchten lassen, ergeben sich eine Reihe von Forderungen.

Ausreichend Ressourcen für die Pathologie

Zum einen wird es darum gehen, dass die Krankenhäuser ihre finanziellen Mittel so verteilen, dass die Pathologie ausreichend und zukunftssicher repräsentiert wird. Das schließt auch eine ausreichende Zahl von Ausbildungsassistenten ein. Denn auch wenn derzeit in einem Krankenhaus alle Anforderungen von den heute dort beschäftigten Pathologen gerade noch mit sehr viel Engagement bewältigt werden können, wird das in der Regel aufgrund der Altersverteilung schon in einigen Jahren nicht mehr möglich sein. Die Krankenhaus-Träger müssen also in die Vorleistung gehen und mehr Dienstposten für die Pathologen-Ausbildung bewilligen. Damit auch dann noch genügend Pathologen vorhanden sind, wenn viele der heute tätigen bereits in Pension sein werden.

Die Pathologie ist ein zentrales diagnostisches Fach, und wenn es in einem Haus keine leistungsfähige Pathologie gibt, kann das massive Nachteile für die Diagnose, Therapie und Therapiebegleitung haben. Dass dafür ausreichend Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

Stellenwert der Pathologie muss im Medizin-Studium aufgewertet werden

Zum anderen ist die Pathologie in der universitären Ausbildung nicht als eigenes Fach evident, und sie ist auch im Klinisch-Praktischen Jahr kein verpflichtendes Fach, was dringend geändert gehört. Denn der Status quo führt dazu, dass Medizinstudierende nicht notwendiger Weise die Pathologie als eigenen Bereich kennen lernen. Dadurch kommen sie sozusagen nicht auf den Geschmack: Sie können nicht realistisch einschätzen, wie interessant die Pathologie ist, welchen hohen Stellenwert sie im diagnostisch-therapeutischen System hat, dass es in der Berufspraxis keine Nachtdienste gibt und generell eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie gegeben ist. Nicht zuletzt ist die Nachfrage enorm – nicht nur in Österreich, sondern auch international.

Pathologie offensiv bewerben

Es geht also darum, die Pathologie offensiv zu bewerben und mit geeigneten Incentives dazu beizutragen, dass sich Studierenden mit diesem Fach beschäftigen, um es bei ihrer Berufswahl vermehrt als attraktive Möglichkeit in Betracht zu ziehen.

Kontakt:

B&K - Bettschart&Kofler Kommunikationsberatung; Mag. Roland Bettschart; +43-1-319 437 80, 06766356775; bettschart[at]bkkommunikation.com; www.bkkommunikation.com