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Kärnten profitiert von der vorausschauenden Planung der Schmerzbehandlung

Statement Landeshauptmann-Stellvertreterin Dr.in Beate Prettner, Gesundheitsreferentin Kärntner Landesregierung

Klagenfurt, 05.10.2017

Statement Landeshauptmann-Stellvertreterin Dr.in Beate Prettner, Gesundheitsreferentin Kärntner Landesregierung

Ich darf Sie herzlich zu dieser Pressekonferenz im Vorfeld der Tagung „25 Jahre Interdisziplinäres Schmerzzentrum am Klinikum Klagenfurt“ begrüßen und möchte Sie anlässlich dieses denkwürdigen Jubiläums zu einer kleinen Zeitreise einladen: Natürlich waren Schmerzen auch vor 25 Jahren schon ein großes Problem, aber die Schmerzforschung steckte vergleichsweise noch in den Kinderschuhen und die Medizin begann gerade erst, Schmerzen nicht mehr nur als unvermeidliche Begleiterscheinung diverser anderer zu sehen.

1992 war die Österreichische Schmerzgesellschaft gerade einmal ein Jahr alt und es blieb noch einigen wenigen Pionieren vorbehalten, darauf hinzuweisen, dass Schmerzen nicht einfach hingenommen, sondern genauso behandelt werden müssen, wie jede andere Krankheit auch.

Einer dieser Pioniere sitzt heute neben mir. Ich möchte ihm an dieser Stelle für seinen Einsatz – mit dem damaligen Abteilungsvorstand Prim. Volker Schalk – für die Gründung des ZISOP und die seither geleistete Arbeit danken. Unter der Leitung von Prof. Likar hat sich das ZISOP – das Zentrum für Interdisziplinäre Schmerztherapie und Palliativmedizin – zu einer führenden Schmerzeinrichtung in Österreich und einer auch international viel beachteten Einrichtung entwickelt.

Wie wichtig und vorausschauend diese Gründung war, können wir heute an vielerlei Statistiken ablesen. In ganz Österreich leiden nach Experten-Schätzungen 1,5 bis 1,8 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. Das sind allein in Kärnten zwischen 95.000 und 115.000 Betroffene.

Und das ist, wie wir alle wissen, erst der Beginn einer noch viel größeren Schmerzwelle, die auf uns zurollt. Das hat zum einen mit den steigenden Belastungen im Alltag zu tun – vor allem mit den psychischen, die – wie Dr. Pipam sicher noch ausführen wird – im Schmerzgeschehen immer eine Rolle spielen. Zum anderen steigt die Lebenserwartung immer weiter an. Im Jahr 2030 wird schon jeder vierte in Österreich über 65 Jahre alt sein und die Zahl der über 80jährigen wird mit 635.000 Personen um 57 Prozent höher liegen als heute. Das ist an und für sich erfreulich,  führt aber natürlich auch dazu, dass wir immer mehr Patientinnen und Patienten mit mulitmorbiden Krankheitsbildern zu behandeln haben. Das wird nicht nur in der Schmerzbehandlung sondern auch in der palliativen Pflege im Endstadium nicht mehr heilbarer Krankheiten, die wir am ZISOP ebenfalls anbieten, zu weiter steigendem Bedarf führen.  

Das Schmerzzentrum am Klinikum Klagenfurt hat auch auf diese Entwicklung wieder frühzeitig reagiert und vor fünf Jahren – zusätzlich zu allen nichtinvasiven und invasiven schmerztherapeutischen Verfahren, die zahlreichen Betroffenen angeboten werden – das österreichweit einzigartige Modell der multimodalen Schmerztherapie für besonders schwer schmerzkranke Menschen eingeführt. Der Grundgedanke dahinter klingt bestechend einfach – ist aber dennoch längst nicht überall in der täglichen Praxis umgesetzt: So vielfältig wie die Ursachen von chronischen Schmerzen sind, so vielschichtig müssen auch die Therapieansätze zu ihrer Bekämpfung sein. Mit dieser Weiterentwicklung sind wir am letzten Stand der Wissenschaft und können eine Versorgung bieten, um die uns andere Bundesländer beneiden.

Denn dieses Angebot der schmerzmedizinischen Spitzenversorgung ist in dieser Form immer noch das einzige in Österreich. Es gibt bundesweit derzeit keine flächendeckende Versorgung für alle chronischen Schmerzpatienten. Das Recht auf eine bestmögliche Schmerztherapie – wie wir es in der Patientencharta seit Jahren gesetzlich verankert haben – sollte auch seine Entsprechung in Angeboten finden.

Natürlich dürfen wir bei solchen Versorgungsthemen die Kostenseite nicht aus den Augen verlieren. Wie die – übrigens bestens evaluierten – Leistungen des ZISOP zeigen, können Investitionen hier lohnen. Was uns wirklich teuer kommen kann, sind die Folgekosten einer unzureichenden Behandlung. Heute betragen allein die jährlichen Kosten für Erkrankungen des Muskel- und Bewegungsapparates bereits mehr als 5,5 Milliarden Euro und jene für Krankenstandstage bei chronischen Rückenschmerzen etwa 400 Millionen Euro. Die direkten Kosten infolge einer Schmerz-Chronifizierung schlagen mit 1,4 bis 1,8 Mrd. Euro zu Buche – und die indirekten bekommen wir in den Sozialsystemen präsentiert, weil etwa die Hälfte der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen heute frühzeitig in Pension geht. Das sind in ganz Österreich 5.000 bis 6.000 Menschen pro Jahr und damit zirka 20 Prozent der jährlichen Neuzugänge. Um diese Entwicklung einzubremsen, sind die Kosten in ein Zentrum wie das ZISOP gut und nachhaltig investiert.

Wofür dieses Geld aufgewendet wird und welche Ergebnisse damit zu erzielen sind, wird Ihnen Prof. Likar im Anschluss darlegen.